Die Wiege des europäischen
Naturismus
Kroatien hat eine weltweit einzigartige Stellung in der FKK-Geschichte. Es war das erste Land in Europa, das bereits in den 1960er Jahren den kommerziellen Naturismus öffnete und staatlich geförderte FKK-Resorts errichtete.
1. Historischer Hintergrund
Die moderne FKK-Tradition in Kroatien begann offiziell im Jahr 1934 auf der Insel Rab, als der damalige britische König Edward VIII. und seine Partnerin Wallis Simpson die Erlaubnis erhielten, nackt in der Bucht Kandarola zu baden. Dies gilt als Initialzündung für den Naturistengürtel entlang der Adria. In den 1960er Jahren erkannte das damalige Jugoslawien das touristische Potenzial und baute riesige Anlagen wie Koversada und Valalta.
2. Rechtliche Situation
In Kroatien ist FKK gesetzlich klar geregelt, aber sehr liberal gehandhabt:
Offizielle Zonen: Es gibt zahlreiche offiziell gekennzeichnete FKK-Strände (FKK-Symbol) und Resorts. Hier ist das Nacktsein rechtlich absolut geschützt.
Inoffizielle Zonen: An sogenannten „wilden Stränden“ oder abgelegenen Buchten wird FKK fast überall geduldet, sofern keine expliziten Verbotsschilder vorhanden sind.
Öffentliche Ordnung: Wie in den meisten Ländern ist
Nacktheit in Stadtzentren, Supermärkten oder in der Nähe von religiösen Stätten untersagt und kann als Störung der öffentlichen Ordnung geahndet werden.
3. Besonderheiten: FKK-Camping-Kultur
Kroatien bietet eine Infrastruktur, die weltweit ihresgleichen sucht:
Riesige Resorts: Anlagen wie Koversada bei Vrsar bieten Platz für tausende Gäste und funktionieren wie eigenständige nackte Städte mit eigener Infrastruktur (Supermärkte, Restaurants, Ärzte).
Klares Labeling: Strände sind meist deutlich als „FKK“ oder „Textil“ markiert. An Mischstränden wird eine respektvolle Koexistenz erwartet.
Bootstourismus: Kroatien ist ein Paradies für nacktes Segeln. In den vielen tausend Buchten der Inselwelt ist
Nacktheit an Bord und im Wasser die Norm.
4. Zusammenfassung für die Praxis
Infrastruktur: Wer professionelle FKK-Urlaube mit hohem Standard sucht, ist in Istrien und Dalmatien am besten aufgehoben.
Knigge: Kroaten sind Naturisten gegenüber sehr aufgeschlossen, erwarten aber Diskretion in der Nähe von bewohnten Siedlungen oder Kirchen.
Kleidung: In den Restaurants der großen FKK-Camps ist es oft üblich, zum Abendessen eine leichte Bekleidung (Pareo, T-Shirt) zu tragen, während man tagsüber komplett nackt ist.
Quellen & Einzelnachweise
- Kroatischer Tourismusverband (Hrvatska turistička zajednica): Geschichte und Standorte des Naturismus in Kroatien
- DFK (Deutscher Verband für Freikörperkultur): Reiseführer Kroatien – Recht und Etikette – https://www.dfk.org/
- Gesetz über die öffentliche Ordnung (Zakon o prekršajima protiv javnog reda i mira): Bestimmungen zur öffentlichen Nacktheit.